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Schwangerschaftsmodus

Als ich dreizehn war, hatte ich meine erste richtige Beziehung. Ich war über beide Ohren verliebt! Er ging auf meine Schule, war zwei Jahrgänge über mir und ich kämpfte eine gefühlte Ewigkeit um ihn, bis er mir schließlich den ersten Kuss schenkte und mir kurz darauf seine Liebe gestand. Eine süße Jugendliebe, könnte man sagen.

Er war nicht nur derjenige, dem ich meinen ersten Kuss schenkte, sondern auch der, an den ich nach drei Monaten Beziehung meine Jungfräulichkeit verlor. Ich muss zugeben, dass ich geschockt wäre, wenn mir eine Dreizehnjährige erzählen würde, dass sie vor Kurzem ihr erstes Mal hatte. Und wenn ich ihre Mutter wäre, würde ich wohl aus allen Wolken fallen. Doch ich fühlte mich damals bereit und war sicher, dass dieser Junge der Richtige für mich ist.

Wir waren beide aufgeklärt, also haben wir natürlich auch verhütet. Ich hatte keine Probleme, die mich auf die Idee gebracht hätten, mit dreizehn schon die Pille zu nehmen, darum verwendeten wir ein Kondom. Ich war überwältigt, was Sex für eine tolle Sache sein kann und wollte gar nicht von ihm ablassen! Eines Tages bekam er ein schlechtes Gewissen seinen Eltern gegenüber und informierte sie über unsere Aktivitäten. Ich weiß noch genau, wie er mir erzählte, dass sie darüber total entsetzt waren. Sie dachten, wir hätten nicht verhütet. Er versicherte ihnen zwar das Gegenteil, doch sie verbaten uns den Sex bis ich beim Frauenarzt gewesen war und die Pille nehmen würde.

Mein pubertäres Ich war davon zwar nicht begeistert, trotzdem habe ich mich mit mittlerweile vierzehn Jahren dem Rat gefügt. Und so fing alles an... Meine Frauenärztin verschrieb mir eine Pille, die speziell für junge Mädchen gemacht sei. Ich kenne ihren Namen nicht mehr, doch ich fühlte mich elend. Kopfschmerzen, Übelkeit, extreme Stimmungsschwankungen, Zwischenblutungen, das volle Programm. Nach mehrmaligem Wechseln fand ich dann endlich eine Pille, die ich relativ gut vertrug, die Maxim. Ich war wirklich froh darüber, endlich keine Probleme mehr wahrzunehmen und gewöhnte mich über Jahre hinweg an ein rundum sicheres Sexualleben mit einem absolut regelmäßigen Zyklus. Doch ab und zu fühlte ich mich depressiv. Ich war stets antriebslos und leicht reizbar. Ich dachte mir nicht viel dabei. Ich glaubte, das sei einfach mein Charakter.

Ich denke, es waren zwei Faktoren, die mich jahrelang so an der Pille haben festkrallen lassen: Die größte Angst meines Freundes bestand immer darin, seine Eltern zu enttäuschen, in diesem Fall mit einer ungewollten Schwangerschaft. Zudem hatte ich so früh mit der Pille angefangen, dass ich während meiner Entwicklung gar nicht bemerkte, wie stark sie mich beeinflusste. Als ich vor etwa einem Jahr meinen Freund darauf ansprach, dass ich mich langsam etwas unwohl mit der Pille fühle, war er extrem geschockt. Da hatte ich die Pille schon fünf Jahre lang genommen. Er meinte, dass es absolut unmöglich sei, momentan eine Schwangerschaft zu riskieren; da habe ich mir den Gedanken schnell wieder aus dem Kopf geschlagen. Meine Zweifel an der Pille waren noch nicht so ausgeprägt, ich habe ihn nur dieses eine Mal darauf angesprochen und nahm die Pille danach weiterhin ein.

Doch ich nahm sie immer unregelmäßiger. Ich stellte mir keine Wecker mehr und nahm sie einfach irgendwann am Abend. Dann hörte ich mal davon, wie sich der Körper einer Frau in der Zeit des Eisprungs verändert und dass Frauen dann meist eine positivere Ausstrahlung auf Männer haben. Ich fand das so interessant, dass ich mich mehr mit dem natürlichen Zyklus beschäftigte und war letztendlich traurig, dass mein Eisprung jeden Monat verhindert wurde. Ich dachte darüber nach, wie seltsam es eigentlich ist, dass der Körper sich permanent im Schwangerschaftsmodus befindet. Da hatte ich das Gefühl, dass die Pille mir meine natürliche Weiblichkeit nimmt.

Ich fühlte mich einfach nicht wie eine richtige Frau. Ich informierte mich im Internet über die Nebenwirkungen der Pille wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und vor allem über den Verlust der Libido. Es gab so viele Erfahrungsberichte von Frauen, denen es genauso ging. Vor allem diese drei Sachen beschäftigten mich schon eine ganze Weile und ich kam lange nicht darauf, dass es an dem täglichen Chemiecocktail liegen könnte, den ich mir seit so vielen Jahren einwarf. Ich zog immer stärker in Erwägung, der Einnahme ein Ende zu setzen.

Der ausschlaggebende Moment für meine Entscheidung ereignete sich jedoch erst vor Kurzem in der Schule. Wir hatten gerade das Thema Thrombose und beschäftigten uns mit den Ursachen. Als meine Lehrerin erklärte, dass das Thromboserisiko durch die Pille verdoppelt wird, dachte ich Jetzt reicht's!. Egal, wie unwahrscheinlich es ist, dass gerade ich eine Thrombose bekomme: Ich wollte einfach nicht mit dem erhöhten Risiko und der Angst leben. Dazu machte mir die ständige Antriebslosigkeit in Kombination mit den steigenden Anforderungen meiner Ausbildung mehr und mehr zu schaffen.

Ich führte ein langes Gespräch mit meinem Freund. Der war noch immer nicht begeistert und konnte sich nicht vorstellen, wie unser Sexualleben ohne Pille in Zukunft ablaufen sollte. Ohne mein Wissen informierte er sich im Internet selbst zu dem Thema und setzte sich mit dem Gedanken auseinander. Er kam irgendwann zu mir und sagte: »Ich möchte nicht mehr, dass du die Pille nimmst.« Und das war der Moment, in dem mir der größte Stein vom Herzen fiel. Ich war heilfroh, dass er mich verstand und er war sogar derjenige, der mir myNFP vorschlug.

Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt zwar schon mit der symptothermalen Methode befasst, doch er hatte sich so viele Gedanken darüber gemacht, dass er schon mehr wusste als ich. Ich bin einfach begeistert, mit welchem Enthusiasmus er mich dabei seither unterstützt! Jede Frau, mit der ich bisher darüber gesprochen habe, fühlt sich mit der Pille genauso schlecht wie ich es tat und überlegt ebenfalls, die symptothermale Methode anzuwenden. Ich bin froh, dass ich auch ein paar Freundinnen animieren konnte, sich mit NFP zu beschäftigen. Ich habe gerade begonnen, meine Daten einzutragen. Noch befinde ich mich in der Abbruchblutung nach meiner letzten Pilleneinnahme, doch schon jetzt fühle ich mich befreit und glücklich.

Ich bin sehr gespannt auf das, was noch folgt, wie sich mein Körper und meine Psyche verändern werden und freue mich darauf, mich endlich wie eine richtige Frau fühlen zu können. Übrigens hat mein dreizehnjähriges Ich damals eine ziemlich gute Entscheidung getroffen, was die Partnerwahl angeht: Meine erste Liebe und ich sind mittlerweile in unseren Zwanzigern und führen seit fast sieben Jahren eine sehr glückliche Beziehung.